Erfahrung Berliner Rumfestival Teil 1 (internationale Rum’s)

Am 4-5. Oktober war in Berlin das international Rum Festival, ich war vor Ort und habe mich umgeschaut. Ein guter Rum eignet sich sehr gut als Digestiv nach einem guten Essen. Für wen das Thema neu ist, kann ich den Rum „Botucal Reserva Exclusiva“ aus Venezuela (ca. 30 Euro). Der Rum hat im Verhältnis recht viel Süße und ist damit sehr gefällig (nicht falsch verstehen, es handelt sich nicht um eine Süßigkeit). Der Botucal ist eines meiner liebsten Gastgeschenke, da er auch Spirituosenfremden Menschen sehr gut schmeckt.

Kurz zum Rum:

Rum wird in der Regel aus der Zuckerrohr Melasse hergestellt. Das ist „eigentlich“ ein Abfallprodukt der Zuckerherstellung. Es ist ein brauner honigartiger Zuckersirup.
Im Gegensatz zum Zucker (der ja weiß und rein sein soll), besteht die Melasse nur aus ca. 60% Zucker,
der Rest sind andere Bestandteile die den Geschmack prägen (was positiv zu sehen ist, es ist ein reines „Naturprodukt“).

Im Gegensatz wird Cachaca direkt aus Zuckerrohrsaft hergestellt und schmeckt damit „neutraler“.
Nach dem Brennen ist der Rum klar und wird dann in Holzfässern gereift. Das Fass gibt dabei zusätzlichen Geschmack an den Rum ab, die Fass Sorte und die Länge der Lagerung haben einen großen Einfluss auf den finalen Rum Geschmack.

4th Berlin Rum Festival Überblick

Der Ablauf:

Die Location war sehr schön gewählt, in der Station (nähe Gleisdreieck). Es gab ca. 43 Aussteller mit jeweils verschiedenen Rumsorten. Beim Eingang erhält man ein Tasting Glas (welches man mitnehmen darf) und 5 Chips die man an den verschiedenen Ständen für je 2 Cl Rum eintauschen kann (das relativiert die „hohen“ Eintrittskosten von fast 30 Euro.

Die Rums die ich verkostet habe:

Ich habe über den Tag viele verschiedene Rum Sorten probiert, ich habe mir dabei eher auf weniger als die 2 Cl beschränkt um noch sicher nach Hause zu kommen.

Appleton Jamaika Rum

Mein erster Stop war bei Appleton aus Jamaika, bei Appleton wird alles unter einem Dach gemacht (der Zuckerrohranbau, das Brennen und die Lagerung).

Appleton Estate V/X (5 Jahre gereift)

Der 5 Jahre alte Appleton liegt preislich bei ca. 15 Euro, er schmeckt fruchtig mit leichtem orangen Aroma und hat noch etwas Schärfe.

Appleton Estate 5 Jahre

Appleton Estate 12 (12 Jahre gereift)

Der 12 Jahre alte Appleton ist ein sehr ausgewogener Rum (ca. 30 Euro), weniger fruchtig als der 5 Jahre alte Rum, hat aber auch nicht mehr die Schärfe. Für mich ein sehr ausgewogener Rum den ich gerne Empfehle!

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Appleton Estate 21 (21 Jahre gereift)

Der 21 Jahre alte Appleton Rum (ca. 80-90 Euro) war sehr lange im Fass, er ist sehr sehr trocken und hat auch den Fass Geschmack angenommen (umgangssprachlich, er schmeckt etwas nach Holz, was nicht negativ gemeint ist). Ist der Rum nun besser als die vorherigen? Für mich nein, der 12 jährige ist für mich ausgewogener (geschmacklich und preislich). Wer allerdings auf Barrique Geschmack steht, der hat hier einen eine interessante Option.

 

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Don Pancho Rum

Neben den Ständen gab es auf dem Rum Festival auch Vorträge, vor einer kleinen Bühne kann man sich an Tische sitzen und es wird dann auch Rum zum parallelen verkosten angeboten. Leider war ich zu spät (und habe dann halt hinterher am Stand probiert), wer nächstes Jahr hingeht und zu den Vorträgen verkosten möchte, sollte sich rechtzeitig einfinden.

Don Pancho - Vortrag

Don Pancho ist Kubanischer Rum Meister, der nach eigener Aussage für viele auch bekannte Firmen Rums hergestellt hat. Mittlerweile lebt er in Panama und macht Rum unter seinem eigenem Namen. Es gibt ihn in 8, 18 und 30 Jahren Lagerung. Die Rums haben mir sehr gut geschmeckt, leider sind sie vergleichsweise teuer.

Don Pancho Origines 8

Der 8 Jahre gereifte Rum (ca. 30 Euro) empfand ich als leckerer runder und trockener Rum ohne Schärfe. Empfehlenswert!

Don Pancho Origines 8 Jahre

Don Pancho Origines 18

Der 18 Jahre alte Rum empfand ich als super runder (nicht zu süß, nicht zu trocken) und weicher Rum. Mit ca. 80-90 Euro pro Flasche allerdings auch nicht ganz günstig.

Don Pancho Origines 18 Jahre

Don Pancho Origines 30

Der 30 Jahre alte Rum ist durch seine 30 jährige Lagerung etwas Besonderes was sich auch bei einem Preis von ca. 300 Euro wiederspiegelt. Ich habe ihn wirklich genossen, aber 300 Euro für eine Flasche ist mir dann doch zu viel, für den Preis kriegt man auch sehr interessante Raritäten bekommen (sorry Don Pancho).

(Leider kein Foto)

Plantation Rum’s

Plantation ist eine interessante Variante bei Rum, Plantation ist eigentlich eine französische Firma. Plantation kauft Jahrgangsrums die schon vor Ort gelagert wurden, in Frankreich werden diese dann nochmals mindestens 1 Jahr in Cognac Fässern „veredelt“. Von daher gibt es von Plantation auch Rum’s aus verschiedenen Jahren und Ländern. Die Plantation Rums sind and dem Bast um die Flaschen immer gut zu erkennen. Bei Preisen zwischen 25 und 50 Euro sind schlagen Sie auch beim Budget nicht über die Stränge.

Es gibt also eine breite Streuung von unterschiedlichen Rums, durch die „hochwertige“ Auswahl und Veredlung, kann man also auch immer mal wieder was probieren und das Risiko eines Fehlkaufes ist ziemlich gering. Auf der anderen Seite gibt es bestimmte Rum’s nur so lange es sie gibt, sprich wenn eine Charge ausverkauft ist, dann gibt es sie so nicht wieder.

Ich habe die folgenden verkostet:

Belize X.O. Limited Edition (old reserve)

Der Belize X.O. (ca. 50 Euro) Rum ist fruchtig und leicht scharf (der Alkohol brennt leicht). Er wurde 8 Jahre in Belize gelagert und dann noch mal 2 Jahre in Frankreich.

Plnatation Belize X.O.

Panama 8 Limited Edition

Der Panama Rum (ca. 40-50 Euro) wurde 8 Jahre in Panama gelagert und 1 weiteres Jahr in Frankreich. Er war für mich ein sehr ausgewogener Rum der ziemlich rund war, nicht zu süß, nicht zu trocken und auch keine Schärfe, aber damit auch keine Besonderheit hat (was ihn nicht schlecht macht).

Plantation Paname Limited Edition 8
(linke Flasche)

Brazil Old Reserve 1999

Der Brazil Old Reserve (ca. 50 Euro) wurde eher wie ein Cachaca gemacht (es wurde Zuckerrohrsaft, anstelle Melasse verwendet). Er wurde 12 Jahre in Brasilien gelagert und noch mal 1 Jahr in Frankreich. Durch die andere Machart schmeckt er auch „anders“ (kann ich schlecht beschreiben), er hat dabei einen leichten Barique (Fass) Geschmack.

Plantation Brazul 1999 limited edition

Barbados X.O. Extra Old 20th. anniversary

Bei diesem Rum handelt es sich um ein Cuvee (also eine Mischung aus verschiedenen Rumsorten von Barbados). Der jüngste Rum wurde 13 Jahre gelagert, der älteste 20 Jahre. In Frankreich hat der Rum noch 1 weiteres Jahr verbracht. Er hat eine angenehme leichte Süße und Aromen von Kokosnuss und Vanille. Ein sehr angenehmer Rum.

Plantation X.O. Barbados 20.th anniversary

Les Colonieres

Eine kleine Besonderheit sind die Rums von „Les Colonieres“, hier wird ein normaler einfacher mit Frucht (und wahrscheinlich etwas Zucker versetzt). Er sieht in der Flasche toll aus und nimmt auch von den Früchten den Geschmack auf. Ich würde es eher einen Sommerrum nennen der sicher eiskalt sehr gut schmeckt, den man für einen Aperitif beim heißen Grillabend servieren kann. Durch die Süße trifft es denke ich eher den weiblichen Geschmack. Die Flasche kostet ca. 10-15 Euro (also auch noch vergleichsweise günstig). Es gibt ihn in 10-15 Geschmacksrichtungen, ich hatte die Möglichkeit folgende Sorten zu probieren:

Früchte/Tropical

In dieser Variante sind Ananas, Passions Frucht und Litschi. Schmeckt wie zu erwarten war sehr schön fruchtig :).

Les Colinieres Rum TropicalLes Colinieres Rum Tropical

Vanille

Hier wurde einfach eine (ganze) Vanilleschote in den Rum gegeben, er schmeckt also auch leicht nach Vanille.

Les Colinieres Vanille Rum

Spices (Gewürze)

In dem Rum sind Zimt, Kardamon, Sternanis, Chili, Nelke und noch etwas (hab ich vergessen). Schmeckt also ein wenig Weihnachtlich.

Les Colinieres Rum Spices

Orange / Zitrone

Der Titel sagt alles, danach schmeckt er auch.

Les Colinieres Orange Zitrone RumLes Colinieres Ornage Zitrone Rum

Die weiteren Geschmäcker sind leider im Zoll hängen geblieben, leider kenne ich keine Bezugsquelle in Deutschland.

Das ist der erste Teil, im zweiten Teil gehe ich dann auf die deutschen/österreichischen Rum’s ein.

2 Gedanken zu „Erfahrung Berliner Rumfestival Teil 1 (internationale Rum’s)

    • Hallo Detlev,

      ja den kenne ich, schmeckt mir persönlich gar nicht (schmeckt künstlich und nach Hubba Bubba Kaugummi nach meiner Meinung). Ich empfehle dann eher die Rums von Plantation, die eine gewisse Varianz bieten und handwerklich sehr gut gemacht sind (das Finish erhalten die Rums in Frankreich in Cognac Fässern).

      Gruß

      Tim

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